Irgendwie erscheint das Spiel auf dem Bad Frankenhäuser Kunstrasenplatz surreal. Nach 12 Minuten war das Spiel eigentlich entschieden und bekommt doch noch acht bis zehn Wendungen. Auch wenn es am Ende für keinen Punkt gelangt hat, für solche Spiele gehen die Zuschauer zum Amateurfußball. Tolle Tore auf beiden Seiten, Spannung bis zum Schluss, überschwappende Emotionen, Flutlicht. Die Chronologie wollen wir trotzdem beleuchten.
Die Gastgeber legen vom Start weg ein unglaubliches Tempo vor. Zweimal scheitern sie knapp, der dritte Versuch sitzt. E. Schneider geht auf und davon, tunnelt Patzer – 1:0. Kurz darauf setzt sich Liese im Sechzehner durch und knallt die Kugel ins kurze Eck – 2:0. Und sie bleiben auf dem Gaspedal – spielen sich gute Chancen heraus. Preußen taumelt, kriegt keinen Zugriff in der Defensive. Bis Schleip allein aufs Tor zuläuft und den Ball an Sünkel vorbei bringt – Sondermann schlägt ihn jedoch von der Linie. Dann der erste Kulminationspunkt – Liese geht an der Mittellinie robust gegen seinen alten Kollegen aus Nordhäuser Zeiten, Hagen Pietsch in den Zweikampf. Schiedsrichter Gaudes zückt sofort Rot. Auch durch die Preußen-Brille eine viel zu harte Entscheidung, die das gesamte Spiel in eine andere Richtung dreht. Noch in Halbzeit Eins sorgen Schleip und Schack für den Ausgleich und das Spiel ist wieder offen. Riedel knallt in der letzten Aktion vor dem Wechsel noch einen direkten Freistoß an die Lattenunterkante, der Ball setzt aber deutlich vor die Linie auf.
Allen im Rund ist klar, das wird noch ein wildes Gebolze. Mit einem Dreifachwechsel reagiert Trainer Dörfer auf die Unterzahl seiner Mannen. Unter anderem bringt er den späteren Matchwinner, Ex-Profi Christian Bickel auf den Platz. Dolzer nickt fünf Minuten nach dem Wechsel eine Schack-Ecke ein zur ersten Preußen-Führung. Preußen hatte zweimal die Chance zu erhöhen, doch Zopf und Schleip scheitern. So nahm sich Bickel einen Volleyknaller aus 25 Metern und der geht unhaltbar in die Maschen. Kurz darauf Noak auch aus 20 Metern ins untere Eck zum 3:4. Und Bickel nur vier Minuten später aus 30 Metern unter die Latte zum erneuten Ausgleich. Zwischendurch trotzdem weitere Chancen, es war irgendwie verrückt mit anzusehen. Beide Seiten schenkten sich nichts, es war ein Spektakel. Einen letzten Freistoß für die Gastgeber aus 18 Metern nahm sich wieder Bickel. Er knallt ihn an den Pfosten und Riedel staubt zum 5:4 ab. Anstoß – Abpfiff – die Emotionen gehen bei einigen durch – wildes Gerangel, es dauert, bis sich alle Seiten wieder beruhigen. Auch wenn das bessere Ende nicht bei den Preußen war, unsere Mannschaft spielte gegen eine in Bestbesetzung angetretene Mannschaft aus Bad Frankenhausen, die von der Bank mit Bickel und Kammlott zwei Ex-Profis bringen konnten, ab Minute 30 ein gutes Spiel. Natürlich war man 60 Minuten in Überzahl, was aber auf dem kleinen Kunstrasen keine allzu große Rolle spielte. Von daher wird der Abend in Erinnerung bleiben und beim nächsten Spektakel wird gegebenenfalls unser Team das bessere Ende haben.
Einen erheblichen Anteil an diesem Drama durfte sich Schiedsrichter Gaudes auf die Fahne schreiben. Er erwischte einen rabenschwarzen Tag, brachte beide Seiten unzählige Male gegen sich auf. Der Platzverweis gegen Liese war überhart, ab diesem Zeitpunkt hagelte es nur noch Gelbe Karten auf Preußen-Seite und leider auch viele Fehler in der Zweikampfbewertung. Ohne diese Entscheidungen wäre es wohl ein normales Thüringenliga-Spiel geworden, so aber war es ein Erlebnis der besonderen Art. Aber auch das stehen wir dem jungen Mann zu, wenn man auswärts vier Tore schießt, sollte ein Punkt drin sein, das müssen sich unsere Jungs selbst ankreiden.
Tore: 1:0 E. Schneider (10.), 2:0 Liese (12.), 2:1 Schleip (38.), 2:2 Schack (45.+1), 2:3 Dolzer (49.), 3:3 Bickel (68.), 3:4 Noak (73.), 4:4 Bickel (77.), 5:4 Riedel (90.+3)
Zuschauer: 200
Preußen: Patzer, Rösener, Dolzer, Pietsch, Linz, Weißenborn (53. Pawlak), Dietrich (58. Fernschild), Noak, Schack, Zopf (88. Engel), Schleip (90.+2 Aliyev)
weiter im Kader: Gath, Bosch