In Scheubengrobsdorf, einem der Vororte westlich von Gera, spielt man nie gern, sondern es ist eine große Aufgabe, den kleinen Platz und den rührigen und leidenschaftlichen Gastgebern gegenüber zu treten, um erfolgreich die Heimreise antreten zu können. Die Preußen hatten die Leidenschaft, den Respekt und die Demut vor dem Gegner an diesem Samstagnachmittag und so konnten sie auch am Ende mit dem vollen Punktepack nach Hause fahren. Auch die krankheitsbedingt fehlenden Dietrich, Weißenborn, Johannes und Fernschild sowie den urlaubsbedingt abwesenden Stammkeeper Patzer galt es zu ersetzen, es waren trotzdem 18 hochmotivierte Jungs am Start. Fabrice Harnisch gab nach 13 Monaten verletzungsbedingter Abwesenheit sein Comeback, davor rückten Pietsch und Engel ins Mittelfeld.
Halbzeit Eins war wenig aufregend, mit Chancenvorteilen für den FSVP durch zweimal Noak, davon mit einem Hundertprozenter aus fünf Metern drüber sowie einer Schleip-Flanke, die Thrum im Kasten vor große Probleme stellte. Auf der Gegenseite war es Wolff, der knapp verzog. Als Oskar Zopf kurz vor dem Halbzeitpfiff auf der Torlinie gestoppt wurde, war die Nullnummer nach 45 Minuten eingetütet. Beide Mannschaften legten viel Wert auf eine geordnete Defensive, wobei die Preußen ein wenig schluderten und eine knappe Führung den Chancenvorteilen entsprochen hätte.
Die Gastgeber starteten mit einem starken Konter nach Preußen-Ecke, Franz Hoffmanns Abschluss wurde von Dolzer von der Linie geschlagen. Ein eigener Freistoß flog dem TSV dann um die Ohren. Richter knallte Harbauer den Ball aus nächster Nähe vor den Kopf (hier hätte der Schiedsrichter auch den nicht gewährten Abstand zum ruhenden Ball ahnden können), Schleip ging auf und davon und vollendete zum 0:1 (56.). Schiedsrichter Louis Gaudes wirkte nicht immer souverän, die Gelb-Rote Karte gegen Harnisch war jedoch unstrittig. Der bereits verwarnte Innenverteidiger hakelte bei Keeper Thrum bei dessen Abschlag nach und wurde zum duschen geschickt. Jetzt galt es die Räume noch enger zu machen.
Nur kurz darauf jedoch die Szene des Spiels. Harbauer erobert sich die Kugel in der eigenen Hälfte. Noch einige Meter vor der Mittellinie sieht er Keeper Thrum vor dem Sechzehner stehen. Sein Lupfer findet aus über 50 Metern den Weg ins Tor zum 0:2 und lässt die gut 20 mitgereisten Preußen-Fans geradezu ausflippen. In Unterzahl ein Meilenstein, aber der TSV schlägt nur drei Minuten später zurück. Hoffmanns punktgenaue Flanke auf Eichberger verwertet dieser gekonnt zum Anschluss. Da war gerade einmal die Hälfte von Halbzeit Zwei gespielt. Eichberger versucht es anschließend mit einem Freistoßknaller, den Flo Gath zur Ecke lenkt. Apropos Gath, er war ein Ruhepol ohne Fehl und Tadel – ein Klasse-Saisoneinstand für das Preußen-Eigengewächs. Und man spielte vorn auf das Dritte. Schleip mit Klasse-Einzelleistung, doch diese wird zur Ecke geklärt.
Rösener setzt die Schack-Ecke gekonnt mit dem Rücken zum Tor auf den Kasten. Den hatten alle schon im Winkel gesehen, doch Thrum holt die Pranke raus und kratzt das Ding über die Latte. Eine Wahnsinns-Parade! Bei der folgenden Ecke ist er jedoch machtlos. Der geklärte Ball landet bei Schack, der schiebt ins untere Eck zum 1:3 ein. Der war richtig wichtig, nahm er doch den Gastgebern ein wenig den Wind aus den Offensivsegeln. Der TSV bemühte sich zwar, aber sie kamen irgendwie nicht mehr in die gefährlichen Abschlüsse. Bei einem der wenigen Preußen-Konter schloss Rösener entschlossen ab. Doch Thrum verhinderte den Einschlag zum 1:4. Gerade die eingewechselten Spieler Schack, Aliyev, Seifert und Pawlak sorgten für Kampf auf der Wiese und brachten die Zwei-Tore-Führung bis weit in die Nachspielzeit. So war es Rehnelt in der letzten Aktion, der eine Freistoßflanke von Richter zum 2:3 verwertete.
Dann war Schluss. Alle Preußen feierten den zweiten Auswärtsdreier.Man bleibt auf Rang 4 und kann mit viel Selbstvertrauen ins Heimspiel gegen Schleiz gehen.
Tore: 0:1 Schleip (56.), 0:2 Harbauer (65.), 1:2 Eichberger (68.), 1:3 Schack (73.), 2:3 Rehnelt (90.+4)
Zuschauer: 122
Preußen: Gath, Rösener, Dolzer, Harnisch, Linz, Noak, Engel (60. Schack), Pietsch (88. Pawlak), Zopf (90. Bosch), Harbauer (77. Seifert), Schleip (77. Aliyev)
weiter im Kader: Schott, Eichentopf
