In diesem Sommer stellt sich unser Sportlicher Leiter den Fragen von Markus Fromm zur aktuelle Lage, zur neuen Saison und zu einigen privaten Angelegenheiten.
Hallo Lars. Du bist seit 1. März 2026 sportlicher Leiter beim FSV Preußen. Wie kam es zu diesem Schritt?
Es gab bereits im Januar ein Gespräch mit unserem Vorsitzenden Benno Harbauer, in dem er mir mitgeteilt hat, dass Max Domeinski aus zeitlichen und privaten Gründen nicht mehr als Sportdirektor zur Verfügung steht und ich mir Gedanken machen soll, diesen Posten zu übernehmen. Vor zwei Jahren, als das Thema zum ersten Mal aufkam, hatte ich dafür noch keine Ambitionen. Nun dachte ich mir, dass es an der Zeit ist, es zu probieren und wollte in die Aufgabe reinschnuppern. Seit März bin ich mit Benno, der nach wie vor viel Zeit in der sportlichen Regie investiert, gemeinsam unterwegs in Sachen Kaderplanung und schaue mir beispielsweise Spiele von anderen Vereinen an, um den einen oder anderen Spieler zu beobachten.
Hätte es dich gereizt, wieder selbst als verantwortlicher Coach zu fungieren?
Die sportliche Leitung ist natürlich ganz was anderes, als selbst Trainer zu sein. Ich bin nun viel mehr unterwegs, führe viele Gespräche und treffe mich mit verschiedenen Leuten. Regelmäßig als Übungsleiter werde ich zunächst nicht mehr auf dem Platz stehen. Ich kenne den Aufwand aus meiner Zeit als Trainer und weiß, was dahintersteht. Ich bin froh, dass wir mit Thomas Wirth so einen engagierten Coach haben, der die Aufgabe zu 100 Prozent annimmt. Vor Corona, als meine Zeit als Preußen-Trainer nach vier Jahren zunächst endete, hätte ich schon gern weitergemacht. Aber anschließend war die Zeit zu Hause auch mal wichtig. Dann hatte ich die Chance, wieder als Athletikcoach einzusteigen, durfte sozusagen der „böse Trainer“ sein. In meiner jetzigen Funktion werde ich weiterhin auf der Wechselbank sein, um nah am Team zu wirken. Dies passiert auch auf Wunsch von Thomas, welchen Rico als Co-Trainer und ich immer unterstützen, wenn er Rat braucht. Wir arbeiten zusammen, tauschen uns aus und versuchen gemeinsam eine Lösung für die Mannschaft zu finden. Das harmoniert bisher recht gut und soll auch so bleiben.
Was sind nun deine Aufgaben in deiner neuen Funktion?
Ich bin das Bindeglied zwischen erster, zweiter und dritter Mannschaft sowie dem älteren Nachwuchsbereich. Mein Telefon steht quasi niemals still, ich stehe immer zur Verfügung, wenn Hilfe gebraucht wird, oder vor dem Spieltag mal Spieler fehlen sollten. Deshalb ist die Bezeichnung als interner und externer Scout nicht so verkehrt. Gerade im Frühjahr war die heiße Phase der Spielergespräche. Wer bleibt, wer kommt, wer springt kurzfristig doch wieder ab. Das sind solche Fragen, die Benno und ich in unzähligen Gesprächen klären. Wir haben aktuell das Glück, dass unser Kader in der Ersten fast vollständig zusammengeblieben ist und wir aus den A-Junioren auch ein paar Jungs nach oben ziehen konnten. Dennoch beobachten wir auch weiterhin potenzielle neue Spieler bei umliegenden Vereinen. D.h. mein Job ist nach der Sommerpause nicht vorbei, ich bin weiterhin auf den Sportplätzen der Region unterwegs und schaue, wer eventuell zu uns passen könnte.
Inwieweit entlastest du Benno als Vereinsvorsitzenden mit deinem Amt?
Er ist nach wie vor sehr engagiert, hält überall die Augen und Ohren offen, ruft immer wieder Leute an und gibt mir Tipps, die wir dann gemeinsam besprechen. Perspektivisch werde ich ihn Stück für Stück entlasten und vielleicht auch das eine oder andere Gespräch alleine führen. Meine Tätigkeit ist schon auf lange Frist angelegt, so dass ich weiter in die Sache reinwachsen kann. Es ist ja Wahnsinn, wie viel Zeit Benno für den Verein an organisatorischen Dingen investiert. Ich versuche, ihm nach und nach die Arbeit abzunehmen, so dass er sich anderen Aufgaben widmen kann. Insgesamt sind wir schon sehr gut aufgestellt und haben uns in den zehn Jahren in der Thüringenliga etabliert. Das muss man erstmal schaffen und das wollen wir so schnell nicht aufgeben. Deswegen bleiben wir als Team hinter der Mannschaft aktiv, um weiterhin Fußball auf diesem Niveau erleben zu können.
Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Jugendbereich, auch in Hinblick dessen, dass wir in der nun beginnenden Saison keine A-Junioren ins Rennen schicken?
Es ist schade, dass die A-Jugend als Mannschaft jetzt erstmal wegfällt. Aber es bietet auch Chancen. Denn die älteren Jugendlichen können gleich in den Männerbereich aufrücken und dort Erfahrungen sammeln. Die Jüngeren hingegen dürfen bei der B-Jugend mitspielen und können die Jungs dort mitziehen, so dass wir vielleicht und hoffentlich im nächsten Jahr wieder eine A-Jugend stellen können. Ich bin häufig im Austausch mit Jugendleiter Torsten Otto und wir machen uns viele Gedanken, wie wir möglichst viele „Eigengewächse“ in den Männermannschaften integrieren können. Das macht nämlich wirklich den Erfolg aus und nicht irgendwelche Tabellenplätze.
Du hast gleich im ersten Spiel in der neuen Funktion eine gelb-rote Karte kassiert. Die Mannschaftskasse hat sich bestimmt gefreut?
Das war natürlich ein perfekter Aufhänger für die Presse. Aber ich sag mal so, die beiden gelben Karten waren eigentlich ein Witz und deshalb hat mich der Mannschaftsrat auch entlastet und ich brauchte nichts einzahlen. Selbstverständlich hab‘ ich den Jungs eine Kiste Bier mitgebracht, das ist ja klar. Außerdem hatten wir das Spiel in Dachwig gewonnen und das war das Wichtigste an dem Tag. Wir haben gesehen, dass wir auch mit den Mannschaften aus der oberen Tabellenregion mithalten können.
Welche Ziele haben die Erste und Zweite in der kommenden Saison?
Daran anknüpfend würde ich schon behaupten, dass wir mal unter den ersten Fünf der Thüringenliga anklopfen können. Das habe ich unseren Jungs auch so gesagt. Die meisten Spieler haben einen guten Sprung nach vorn gemacht und wir versprechen uns von den Neuzugängen recht viel. Sicher wird es wieder eine schwere Saison werden, Heiligenstadt und Schott Jena werden die Liga wieder dominieren und danach kommen auch sehr starke Truppen. Wir haben aber in der abgelaufenen Saison kein Spiel haushoch verloren und im Gegenteil in den meisten Duellen gegen stärkere Gegner gut bis sehr gut mitgehalten. Uns ist also nicht bange für die kommende Zeit. Die zweite Mannschaft soll als Aufsteiger mit einer jungen Truppe Fuß fassen in der Kreisoberliga. Dafür müssen die Jungs aber das Training annehmen und dürfen es nicht schleifen lassen. Dadurch, dass Steffen Echtermeyer nun als Co-Trainer von Rene Zollitsch in der Zweiten fungiert, haben die aufrückenden Junioren eine wichtige Bezugsperson mit ihrem Meistercoach der vergangenen Saison.
Dein langjähriger Club Wacker Gotha hat knapp den Aufstieg verpasst. Wie gern hättest du gegen sie gespielt und was sagst du zu dem Fiasko der Aufstiegsverzichte in den Landesklassen und der Thüringenliga?
Das letzte Spiel von Wacker gegen Ohrdruf habe ich mir vor Ort angeschaut. Der späte Ausgleich und damit der verpasste Aufstieg waren ärgerlich, denn in der kommenden Saison wird es noch schwerer aus der Landesklasse hochzugehen, weil dann keiner der aktuellen ersten Drei mehr verzichten kann. Ein Auftaktspiel mit Preußen in Gotha hätte ich mir auf jeden Fall gewünscht, vielleicht klappt es nächstes Jahr. Die Aufstiegsverzichte sind einfach eine Katastrophe. Vor allem ist es für die jeweiligen Spieler eine riesige Enttäuschung, wenn sie das ganze Jahr oben mitspielen und dann nicht aufsteigen dürfen. Aber das geht ja schon in der Regionalliga los, wo in Bayern der Meister ebenfalls nicht hoch wollte bzw. auf die Relegation verzichtet hat. Ich habe dafür keinerlei Verständnis und finde, dass es sich einige Vereine zu leicht machen. Da werden teilweise zu große Ausreden gesucht, warum es nicht geht. Dass dann am Tabellenende eine Mannschaft mehr absteigen muss, ist der größte Ärger bei der Geschichte und eine mächtige Wettbewerbsverzerrung. Gerade Schott Jena hätte aus meiner Sicht keinen höheren Aufwand, die Strecken in der Oberliga sind nicht viel weiter. Heiligenstadt hat das Abenteuer letztes Jahr gewagt und auch wenn es am Ende nicht zum Klassenerhalt gereicht hat, haben die Spieler in der Saison gelernt und wichtige Erfahrungen gesammelt.
Deine beiden Söhne waren lange Zeit verletzt. Wie ist der Stand bei ihnen?
Wir standen am Freitag alle drei zusammen bei den Alten Herren von Kirchheilingen auf dem Platz beim Spiel in Thamsbrück. Das war ein schönes Erlebnis. Aber bei Justin ist der aktive Fußball nach zwei Kreuzbandrissen im selben Knie wohl passé. Er hat jetzt ausgelernt und konzentriert sich auf seine Aufgabe als Fitnesstrainer beim FSVP. Bei Fabrice hatte es lange gedauert, bis wir zu einem ordentlichen Arzt gekommen sind, der die richtige Diagnose stellen konnte. Er ist jetzt wieder schmerzfrei und steigt vorsichtig ins Training ein. Für die Erste ist er quasi wie ein Neuzugang. Er muss erstmal wieder seine Fitness zurück bekommen und dann wird er auch wieder regelmäßig spielen und die Zweikämpfe ordentlich führen können. Die Fußball freie Zeit hat er ja bekanntlich gut genutzt, um die Größe der Familie etwas zu erweitern.
Hast du dich schon an „Opa Lars“ gewöhnt und wann bekommt der kleine Liam seine ersten Fußballschuhe?
Der Kleine fühlt sich auf jeden Fall wohl bei uns. Meine Frau und ich besuchen ihn regelmäßig oder er kommt zu uns nach Hause. Auch alle Onkel und Tanten freuen sich riesig über den „Neuzugang“. Zum Kindertag hat Liam tatsächlich schon die ersten Fußballschuhe bekommen, aber es wird noch etwas dauern, bis sie ihm passen. Erstmal muss er laufen lernen, dann kommt sicherlich schnell der Ball dazu und dann müssen wir gucken, wann er richtig kicken kann. Aber wir sind erstmal sehr glücklich, dass alles geklappt hat und freuen uns auf die Hochzeiten unserer beiden Jungs im kommenden Jahr. Auch bin ich meiner Frau Sandy dankbar, dass sie mir immer den Rücken für den Fußball freihält und wir unser Hobby und die Familie in Einklang bringen können.
Zum Schluss noch ein Wort von dir zum Auftritt der Nationalelf bei der WM und dein Tipp als Weltmeister?
Ganz klar enttäuschend. Nach dem ersten Spiel war die Truppe wohl etwas überbewertet. In den folgenden Partien kam unsere deutsche Mannschaft gar nicht ins Spiel und hatte noch Glück, dass sie überhaupt Gruppensieger geworden ist. Bei anderen Teams hat man viel mehr Spielverständnis und ein gewisses Aufbäumen gesehen. Das hat mir bei unserer Auswahl eindeutig gefehlt. Von der Aufstellung und der Form her ist sicherlich Frankreich der Favorit, es wird auf das Halbfinale gegen Spanien hinauslaufen. Auf der anderen Seite ist Argentinien wieder stark, weil Messi viel Verantwortung übernimmt und auch mal aus dem Nichts ein Tor schießen kann. Vielleicht schafft es sogar Marokko dieses Jahr ins Finale. Wir lassen uns überraschen.
Aber Ambitionen auf den Posten des Bundestrainers hast du nicht?
Nein. Es gab ja in den letzten Wochen mal wieder 83 Millionen Bundestrainer. Aber ich mache es nicht, auch wenn man auf dem Posten jedes Wochenende kostenlos Bundesliga Spiele im Stadion gucken kann. Ich denke, Kloppi wird es übernehmen, aber dann müssen wir schauen, wie er sein System umsetzten kann, wenn er die Spieler nur drei bis viermal im Jahr auf dem Trainingsplatz zusammen hat. Es wird für ihn als erfolgreichen Vereinstrainer auf jeden Fall eine Umstellung. Die Nationalmannschaft hat ein ganz anderes Gefüge. Dieses Jahr hat es auf jeden Fall nicht gepasst, aber es kann nur besser werden. Doch jetzt haken wir die WM ab und konzentrieren uns auf den regionalen Fußball hier in Bad Langensalza beim FSV Preußen. Ich freue mich sehr auf die neue Saison!
Vielen Dank, Lars. Wir sind natürlich auch euphorisch und hoffen, dass sich deine ambitionierten Worte auf dem Platz bei den Spielen widerspiegeln. Allen unseren Teams wünschen wir schon jetzt eine gute Vorbereitung und einen erfolgreichen Saisonstart!