Preußen-Coach Thomas Wirth spricht gemeinsam mit Amtskollege Toni Jurascheck über die Rückkehr des FC Union Mühlhausen zum Salza-Cup
Seit Sommer 2024, verbunden mit dem Thüringenliga-Abstieg des FC Union Mühlhausen, versteckt sich das prestigeträchtige Unstrut-Hainich-Derby zwischen dem FSV Preußen Bad Langensalza und den Eisernen in der Mottenkiste. Pflichtspiele gegen den Erzrivalen? Für die jeweilige Anhängerschaft mittlerweile lediglich Sehnsucht statt Realität. Die früheren Duelle der Kreisgegen die Kurstädter sind allerdings weiterhin tief im Gedächtnis verankert. Wer das Mühlhäuser Auestadion oder Bad Langensalzaer Stadion der Freundschaft besucht, wird unweigerlich mit Anekdoten der Vergangenheit konfrontiert. Volle Ränge, leidenschaftliche Zweikämpfe und grenzenloser Siegestaumel. Leider gehören zu einer gelebten Rivalität aber auch unrühmliche Geschichten. Für einen handfesten Skandal sorgten einige wenige unverbesserliche „Fans“ im Rahmen des Salza-Cups 2022. In der Folge verzichtete der FC Union Mühlhausen auf eine Teilnahme beim qua seiner Natur friedlich-fröhlichen Budenzauber. Doch wie heißt es so schön? Die Zeit heilt alle Wunden. Mittlerweile sind alte Gräben geschlossen und der Fußball-Landesklässler feiert pünktlich zur 30. Auflage seine Rückkehr auf dem Bad Langensalzaer Parkett. Ob es beim Großen Salza-Cup am 27. Dezember zum direkten Kräftemessen zwischen Preußen und Eisernen kommt, steht jedoch noch in den Sternen. Die Auslosung ergab, dass das Derby frühestens im Halbfinale stattfinden kann. Vielleicht lautet das Motto auch: „Das Beste kommt zum Schluss“.
Dafür muss Thomas Wirth aber zunächst einen kleinen Fluch brechen. Seit Amtsbeginn des Bad Langensalzaer Trainers im Jahr 2019 blieb dem Gastgeber der Salza-Cup-Finalerfolg verwehrt. Im Exklusivinterview äußern sich der 54-Jährige und Union-Chefcoach Toni Jurascheck, seines Zeichens immerhin als Bester Spieler der 2021er-Ausgabe ausgezeichnet, zum Wiedersehen unter dem Hallendach.
Beim Salza Cup 2025 sind die beiden Lokalrivalen FSV Preußen Bad Langensalza und FC Union Mühlhausen wieder unter einem Hallendach vereint. Wie bewerten Sie diese Entscheidung?
Wirth: „Der Salza Cup ist das womöglich größte Hallenturnier in Thüringen und dahingehend sollten auch die besten regionalen Vereine gegeneinander spielen. Auch wenn sie derzeit nicht in der Verbandsliga agieren, gehört Union Mühlhausen definitiv dazu. Deshalb freue ich mich über deren Teilnahme.“
Jurascheck: „Ich hatte ein langes Gespräch mit Benno Harbauer (Anm. d. Red.: Vereinsvorsitzender FSV Preußen Bad Langensalza). Daraufhin haben wir uns für eine Zusage entschieden. Der Salza Cup ist zum Jahresabschluss für alle teilnehmenden Vereine ein absolutes Highlight. Was Benno und der Verein auf die Beine stellen, ist bemerkenswert.“
Wie blicken Sie auf die Entwicklung des jeweils anderen Vereins?
Jurascheck: „Bad Langensalza befindet sich auf dem besten Wege zum frühzeitigen Klassenerhalt. Generell wird an diesem Standort bereits seit vielen Jahren sehr gute Arbeit geleistet. Ich glaube jedoch, dass alle Beteiligten diesem besonderen Derby etwas nachtrauern. Wir als FC Union Mühlhausen sind gefordert, anzugreifen, damit es dieses Duell nicht nur unter dem Hallendach, sondern zukünftig auch im Punktspielbetrieb wieder gibt.“
Wirth: „Union spielt jetzt seit zwei Jahren in der Landesklasse. Verständlicherweise mussten sie nach dem Abstieg ihre Mannschaft etwas neu strukturieren. Durch die Ergebnisse und den aktuellen Rückstand auf Spitzenreiter FC Erfurt Nord (Anm. d. Red.: elf Punkte) wird der Aufstieg in dieser Saison sehr schwierig. Über kurz oder lang wird Mühlhausen aber wieder in der Verbandsliga spielen. Sie gehen den richtigen Weg, auf junge, selbst ausgebildete Talente zu setzen. Das kann manchmal, wie auch bei uns in Bad Langensalza zu sehen, etwas Zeit beanspruchen.“
Welche Erinnerung verknüpfen Sie mit diesem traditionsreichen Unstrut-Hainich-Derby?
Wirth: „Das letzte Pflichtspiel-Derby haben wir in der Saison 2023/24 vor über 1000 Zuschauern im Stadion der Freundschaft mit 2:0 gewonnen. Was da auf den Rängen abgegangen ist – sehr emotional. Da war schon Herzklopfen dabei.“
Nach den Vorfällen der Vergangenheit: Welche Botschaft würden Sie gerne im Vorfeld des Budenzaubers in Richtung Ihrer Fans loswerden?
Jurascheck: „Wir hoffen alle, dass die Fans vernünftig bleiben. Es soll bitte nicht wieder derart eskalieren. Ich glaube, wenn wir den Dummen eine Bühne geben, dann verliert das, was wir alle lieben, also der Fußball, seinen Wert. Deshalb haben wir uns auch zu dieser Entscheidung durchgerungen. Wir fahren gerne nach Bad Langensalza. Auch in den letzten Jahren hätten wir teilgenommen, aber nach den Vorfällen ergab es zunächst keinen Sinn. Obwohl wir aktuell viele Verletzte haben, werden wir eine schlagkräftige Truppe ins Rennen schicken, die uns bestmöglich repräsentiert. In der Hoffnung auf ein faires Turnier und einen coolen Jahresabschluss.“
Wirth: „Ganz klar: Emotionen ja, Gewalt nein! Ich wünsche mir, aber das ist nicht nur im Fall des FC Union Mühlhausen so, dass keine gegnerischen Spieler oder Fans provoziert werden. Toni und ich haben unter anderem beim Testspiel Anfang August (Anm. d Red.: gemeinsame Verständigung auf Spielabbruch nach schwerer Verletzung des Mühlhäusers Kimi Murch) bewiesen, dass wir Fairness untereinander pflegen.“